Anbau & ErnteFortgeschritten9 Min 3 QuellenAktualisiert: 2026-06-02

Stickstoffmangel bei Cannabis erkennen und beheben

Gleichmäßiges Vergilben der unteren Blätter ist das Leitsymptom. So trennst du echten N-Mangel von der natürlichen Seneszenz in der Spätblüte und dosierst phasengerecht nach.

Leitsymptom

Gleichmäßige Chlorose, älteste Blätter zuerst

Mobilität

Sehr mobil

Bedarf hoch in

Vegetation & Streckung

Bedarf niedrig in

Spätblüte (Fade gewollt)

Schnellkorrektur

N-betonter Dünger, EC schrittweise +0.2–0.4

Kernpunkte

  • Stickstoff ist hochmobil: Mangel zeigt sich als gleichmäßiges Vergilben der ÄLTESTEN Blätter, das von unten nach oben wandert.
  • Anders als Mg bleibt bei N kein grünes Adernmuster — das ganze Blatt blasst gleichmäßig aus.
  • In der Spätblüte ist leichtes Vergilben gewollt (Fade); echter Mangel ist nur in Vegetation und Frühblüte ein Problem.

Hinweis

  • In der Spätblüte ist leichtes Vergilben der unteren Blätter normal — gegensteuern verzögert die Reife und verschlechtert das Aroma.
  • Überschüssiger Stickstoff in der Blüte macht Knospen weich und schimmelanfällig.
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Definition und Einordnung

Stickstoffmangel ist die Unterversorgung mit pflanzenverfügbarem Nitrat (NO3⁻) und Ammonium (NH4⁺). N ist Baustein von Aminosäuren, Proteinen, Chlorophyll und Nukleinsäuren — der mengenmäßig wichtigste Makronährstoff im vegetativen Wachstum.

In der Vegetation und frühen Blüte ist N-Mangel ein echter Defekt; in der Spätblüte ist abnehmender N-Gehalt dagegen physiologisch normal und sogar erwünscht.

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Wissenschaftlicher Hintergrund

N ist zentraler Bestandteil des Chlorophylls und aller Enzyme. Bei Mangel baut die Pflanze Protein und Chlorophyll in alten Blättern ab, um junges Wachstum zu versorgen.

Die Stickstoffaufnahme erfolgt überwiegend als Nitrat; ein zu hoher Ammoniumanteil bei niedrigem pH kann ihrerseits Toxizität und Wurzelschäden verursachen.

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Pflanzenphysiologie und Mobilität

N gehört zu den mobilsten Nährstoffen. Die Pflanze opfert konsequent die ältesten Blätter zuerst — die Chlorose wandert wie eine Welle von unten nach oben.

Im Gegensatz zu Mg (interveinal, Adern grün) blasst bei N das gesamte Blattgewebe gleichmäßig aus, oft beginnend an der Blattspitze.

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Symptome nach Schweregrad

Stadium 1 (leicht): Mattgrün der untersten Blätter, Wuchs verlangsamt sich, Internodien werden kürzer.

Stadium 2 (mittel): Klar gelbe untere Blätter, die Vergilbung steigt mehrere Etagen hoch; Stängel können sich rötlich-purpur färben.

Stadium 3 (schwer): Untere Blätter sterben ab und fallen, die gesamte Pflanze wirkt blassgrün, Blütenansatz und Ertrag brechen ein.

Checkliste

  • Beginnt das Vergilben an den ältesten Blättern?
  • Ist es gleichmäßig (nicht interveinal)?
  • In welcher Phase steht die Pflanze? (Spätblüte = evtl. normal)
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Ursachen — nach Häufigkeit geordnet

1. Unterdüngung: Zu niedrige EC für die Phase, ausgewaschenes Substrat oder erschöpfte vorgedüngte Erde nach 3–4 Wochen.

2. pH-Blockade: Stark abweichender Wurzel-pH außerhalb 5.8–6.2 (Coco/Hydro) bzw. 6.0–6.8 (Erde) reduziert die N-Aufnahme.

3. Auswaschung: Häufiges Überwässern spült Nitrat aus der Wurzelzone.

4. Wurzelprobleme: Geschädigte oder kalte Wurzeln nehmen N schlecht auf.

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Diagnose — Regelbasierter Entscheidungsbaum

Schritt 1: Phase prüfen. Letzte 1–2 Wochen vor Ernte → leichtes Vergilben ist Fade, keine Korrektur nötig.

Schritt 2: Sitzt die Chlorose an den ältesten Blättern und ist gleichmäßig? Ja → N wahrscheinlich.

Schritt 3: EC der Zufuhr und Drainage messen. Niedrige EC → Unterdüngung; passende EC → pH oder Wurzelproblem prüfen.

Schritt 4: Wurzel-pH messen und in den Zielkorridor bringen, bevor die Dosis erhöht wird.

Checkliste

  • Phase bestimmen (Fade vs. Mangel)
  • EC Zulauf/Drainage vergleichen
  • Wurzel-pH messen
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Korrekturmaßnahmen

1. EC phasengerecht anheben: In Vegetation in Schritten von +0.2–0.4 mS/cm, bis der Neuaustrieb sattgrün nachzieht.

2. N-betonten Dünger verwenden (höherer N-Anteil im NPK), nicht einseitig Blütedünger in der Vegetation.

3. pH zuerst korrigieren, falls außerhalb des Fensters — sonst bleibt N trotz Düngung blockiert.

4. In erschöpfter Erde nachdüngen oder umtopfen statt nur Wassermenge zu erhöhen.

Checkliste

  • EC schrittweise erhöhen, nicht sprunghaft
  • Neuaustrieb als Erfolgsmaß beobachten
  • In Spätblüte NICHT gegensteuern
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Vorbeugung

Plane die EC-Kurve entlang des Lebenszyklus: niedrig im Sämling, Maximum in später Vegetation/Streckung, abnehmend zur Ernte.

Vorgedüngte Erden tragen meist nur 3–4 Wochen; plane den Übergang zur Flüssigdüngung rechtzeitig.

Stabiles pH-Management verhindert Pseudo-Mängel.

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Umwelt- und Nährstoffwechselwirkungen

Hohe Lichtintensität (PPFD) steigert den N-Bedarf; bei starkem Licht ohne ausreichende N-Versorgung tritt Mangel schneller auf.

Ein Überschuss an N verzögert dagegen die Blüte, fördert weiches, schimmelanfälliges Gewebe und unterdrückt die Aufnahme von K.

Kalte Wurzeln (< 18 °C) bremsen die Nitrataufnahme unabhängig von der Dosis.

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Häufige Fehler

Fade in der Spätblüte mit Mangel verwechseln und kurz vor der Ernte überdüngen.

Dosis erhöhen, ohne den pH zu prüfen.

N in der Blüte überdosieren — verschlechtert Aroma und erhöht Schimmelrisiko.

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Fortgeschrittene Überlegungen

Ein gezielter, kontrollierter N-Entzug in der letzten Blütewoche ('Flush'/Fade) kann Aroma und Verbrennung verbessern — das ist gewollte Seneszenz, kein Defekt.

Blattanalysen unter ~2 % N der Trockenmasse in Vegetation deuten auf Unterversorgung hin.

Häufige Fragen

Mein Cannabis vergilbt unten in Woche 7 der Blüte — ist das schlimm?
Meist nicht. In der Spätblüte zieht die Pflanze Stickstoff aus alten Blättern ab; ein langsamer Fade ist normal und sogar erwünscht. Nur ein rasanter, früher Mangel ist ein Problem.
Wie schnell wirkt Nachdüngen?
Der Neuaustrieb wird innerhalb von 4–7 Tagen wieder sattgrün. Bereits vergilbte alte Blätter erholen sich nicht mehr.
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    Marschner's Mineral Nutrition of Higher Plants

    Academic Press · 2012

    Öffnen ↗
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    Photosynthetic Response of Cannabis to Nutrient and Light Intensity

    Frontiers in Plant Science · 2020

    Öffnen ↗
  3. 3

    Plant Nutrition Manual

    CRC Press · 2014

    Öffnen ↗
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