Magnesiummangel bei Cannabis erkennen und beheben
Interveinale Chlorose an älteren Blättern ist das Leitsymptom. So unterscheidest du echten Mangel von pH-bedingter Blockade und korrigierst gezielt über Substrat-pH und Mg-Zufuhr.
Leitsymptom
Interveinale Chlorose, ältere Blätter zuerst
Mobilität
Mobil (Verlagerung in junge Blätter)
pH-Fenster Mg (Coco/Hydro)
5.8–6.2
pH-Fenster Mg (Erde)
6.2–6.8
Schnellkorrektur
MgSO4 1–2 g/L Wurzelgabe
Kernpunkte
- Magnesium ist mobil: Mangel zeigt sich zuerst an den ÄLTEREN, unteren Blättern als interveinale Chlorose bei grün bleibenden Blattadern.
- Häufigste Ursache ist nicht zu wenig Mg, sondern eine pH-bedingte Blockade — Wurzelzonen-pH unter 5.8 (Hydro/Coco) bzw. unter 6.0 (Erde) sperrt Mg.
- Korrigiere zuerst den pH-Korridor, dann ergänze Mg über Bittersalz (MgSO4) 1–2 g/L als Wurzelgabe; Blattspray nur als Notmaßnahme.
Hinweis
- Erhöhe niemals die Mg-Dosis, bevor der Wurzelzonen-pH im Zielfenster liegt — bei pH-Blockade führt das nur zu Salzstress.
- Bereits nekrotische Blätter sind verloren; entferne stark befallene Blätter, um Pilzdruck in der Blüte zu senken.
Definition und Einordnung
Magnesiummangel ist eine Unterversorgung mit pflanzenverfügbarem Mg²⁺ im Gewebe. Magnesium ist das Zentralatom des Chlorophyllmoleküls — ohne Mg kein funktionsfähiger Photosyntheseapparat.
Cannabis zeigt Mg-Mangel besonders in der schnellen Streck- und frühen Blütephase, wenn der Bedarf steigt und konkurrierende Kationen (K⁺, Ca²⁺, NH4⁺) die Aufnahme antagonisieren.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Mg²⁺ bindet im Chlorophyll a/b und aktiviert über 300 Enzyme, darunter die RuBisCO-Aktivase und ATP-abhängige Kinasen. Fehlt Mg, bricht die CO₂-Fixierung ein und reaktive Sauerstoffspezies schädigen das Mesophyll.
Weil Mg phloemmobil ist, baut die Pflanze es aus älteren Blättern ab und verlagert es in die Wuchsspitzen — daher beginnt die Chlorose immer unten.
Pflanzenphysiologie und Mobilität
Mobile Nährstoffe (N, P, K, Mg) wandern bei Mangel von alt nach jung. Das ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal: Mg- und N-Mangel starten unten, Ca-, Fe- und S-Mangel starten oben.
Bei Mg bleiben die Blattadern auffällig grün, während das Gewebe dazwischen aufhellt — ein 'Fischgräten'-Muster, das später in rostbraune nekrotische Flecken übergeht.
Symptome nach Schweregrad
Stadium 1 (leicht): Mattes Hellgrün zwischen den Adern an den untersten 2–3 Blattetagen, Adern bleiben sattgrün.
Stadium 2 (mittel): Deutliche gelbe Felder zwischen den Adern, Blattränder beginnen sich nach oben zu wölben; die Chlorose wandert eine Etage höher.
Stadium 3 (schwer): Rostbraune bis purpurne nekrotische Flecken, Blätter werden brüchig und fallen ab; in der Blüte sinkt das Knospengewicht messbar.
Checkliste
- Untere Blattetagen auf interveinale Aufhellung prüfen
- Adern: bleiben sie grün? → Hinweis auf Mg, nicht N
- Nekrose-Flecken rostbraun? → fortgeschrittenes Stadium
Ursachen — nach Häufigkeit geordnet
1. pH-Blockade (häufigste Ursache): Substrat-/Lösungs-pH unter 5.8 (Coco/Hydro) bzw. 6.0 (Erde) reduziert die Mg-Aufnahme drastisch, obwohl genug Mg vorhanden ist.
2. Kationen-Antagonismus: Zu hohe K- oder Ca-Dosierung verdrängt Mg an den Wurzelaufnahmestellen.
3. Echte Unterversorgung: RO-/Weichwasser ohne Mg-Zusatz, einseitige Dünger ohne Mg-Anteil.
4. Auswaschung: Überwässerung in Coco/Hydro spült das leicht lösliche Mg aus der Wurzelzone.
Diagnose — Regelbasierter Entscheidungsbaum
Schritt 1: Sitzt die Chlorose an alten oder jungen Blättern? Alt → Mg oder N wahrscheinlich.
Schritt 2: Bleiben die Adern grün (interveinal)? Ja → Mg. Nein, gleichmäßig blass → eher N.
Schritt 3: Miss den Wurzelzonen-pH (Drainagewasser/Substrat). Liegt er unter dem Mg-Fenster → primär pH-Blockade, nicht Dosierung erhöhen.
Schritt 4: Prüfe die EC. Sehr hohe EC mit viel K/Ca → Antagonismus; spüle und stelle das Verhältnis neu ein.
Checkliste
- pH der Wurzelzone messen (nicht nur den der Stammlösung)
- EC der Drainage gegen Zulauf vergleichen
- K:Mg- und Ca:Mg-Verhältnis der Rezeptur prüfen
Korrekturmaßnahmen
1. pH zuerst in den Zielkorridor bringen: Coco/Hydro 5.8–6.2, Erde 6.2–6.8. Oft löst das den 'Mangel' ohne Mehrdüngung.
2. Mg über die Wurzel ergänzen: Bittersalz (MgSO4·7H₂O) 1–2 g/L in die Nährlösung, EC danach kontrollieren.
3. Notfall-Blattspray: 20 g/L MgSO4 fein vernebeln, nicht in voller Beleuchtung — wirkt schnell auf bestehende Blätter, ersetzt aber keine Wurzelversorgung.
4. Antagonismus entschärfen: K- und Ca-Anteil senken, bis das Ca:Mg-Verhältnis bei etwa 3:1 bis 4:1 liegt.
Checkliste
- pH korrigieren BEVOR Mg erhöht wird
- MgSO4 1–2 g/L, EC nachmessen
- Bereits chlorotische Blätter ergrünen nicht mehr — neue Triebe beobachten
Vorbeugung
Verwende Cal-Mag-Zusätze konsequent bei RO-/Weichwasser; ziele auf 50–70 mg/L Mg in der fertigen Lösung.
Halte das pH-Management stabil: tägliche Drainage-pH-Messung statt nur Zulaufkontrolle.
Skaliere K in der Blüte nicht aggressiv hoch, ohne Mg proportional mitzuführen.
Umwelt- und Nährstoffwechselwirkungen
Niedrige Wurzeltemperaturen (< 18 °C) bremsen die Mg-Aufnahme zusätzlich — ein vermeintlicher Mangel kann ein Temperaturproblem sein.
Hohe Transpiration (niedriges VPD-Management, starke PPFD) erhöht den Mg-Durchsatz; bei knapper Versorgung tritt der Mangel dann zuerst auf.
Ca, K und Mg konkurrieren um dieselben Transporter — das Verhältnis ist wichtiger als die Einzeldosis.
Häufige Fehler
Mg-Dosis erhöhen, ohne den pH zu prüfen — verschärft bei pH-Blockade nur den Salzstress.
Erwartung, dass gelbe Blätter wieder grün werden — sie tun es nicht; bewerte den Erfolg an neuen Blättern.
Blattspray als Dauerlösung statt Wurzelkorrektur.
Fortgeschrittene Überlegungen
In rezirkulierenden Hydro-Systemen reichern sich Antagonisten an; ein periodischer Reset der Reservoirlösung hält das Ca:Mg-Verhältnis stabil.
Eine Blattanalyse (Trockenmasse) gibt Sicherheit: Mg-Gehalte unter ~0.2 % der Trockenmasse gelten als defizitär.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich Mg-Mangel sicher gegenüber Stickstoffmangel?
Wie schnell wirkt eine Mg-Korrektur?
Brauche ich bei Leitungswasser einen Cal-Mag-Zusatz?
Quellen
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