Spinnmilben bei Cannabis erkennen und bekämpfen
Feine Sprenkel auf der Blattoberseite und Gespinste auf der Unterseite verraten Spinnmilben. So erkennst du den Befall früh und stoppst die explosive Vermehrung mit gestaffeltem IPM.
Erreger
Tetranychus urticae u. a.
Leitsymptom
Stippling oben, Gespinst unten
Risikoklima
Warm (27–30 °C), trocken
Generationszeit
Bei Hitze ~5–7 Tage
Nützling
Phytoseiulus persimilis
Kernpunkte
- Leitsymptom sind winzige helle Sprenkel (Stippling) auf der Blattoberseite; auf der Unterseite sitzen die Milben mit feinen Gespinsten.
- Bei 27–30 °C und niedriger Luftfeuchte verdoppelt sich die Population in Tagen — Früherkennung mit Lupe ist entscheidend.
- Bekämpfe gestaffelt: Klima ändern (kühler, feuchter), mechanisch reduzieren, Raubmilben einsetzen, bei Bedarf Wirkstoffe rotieren — niemals in der Spätblüte sprühen.
Hinweis
- Niemals in der Spätblüte auf die Knospen sprühen — Rückstände und Feuchtigkeit ruinieren die Ernte und fördern Botrytis.
- Spinnmilben entwickeln schnell Resistenzen; eine Monotherapie macht den Befall langfristig schlimmer.
Definition und Einordnung
Spinnmilben sind keine Insekten, sondern Spinnentiere (< 0.5 mm). Sie saugen Zellinhalt aus, wodurch die typischen hellen Punkte entstehen.
Cannabis ist besonders anfällig in warmen, trockenen Indoor-Setups; ein unbemerkter Anfangsbefall kann eine ganze Ernte gefährden.
Biologie und Lebenszyklus
Aus Eiern schlüpfen Larven, dann Nymphen, dann adulte Milben; bei 30 °C dauert ein Zyklus nur ~5–7 Tage, bei 20 °C deutlich länger.
Ein einzelnes Weibchen legt über hundert Eier. Diese exponentielle Vermehrung erklärt, warum ein scheinbar kleiner Befall binnen einer Woche eskaliert.
Schadbild und Symptome nach Schweregrad
Stadium 1: Vereinzelte helle Sprenkel auf Blattoberseiten, mit der Lupe einzelne bewegliche Punkte auf der Unterseite.
Stadium 2: Flächiges Stippling, Blätter wirken bronzefarben/silbrig, erste feine Gespinste in Blattachseln.
Stadium 3: Dichte Gespinste über Blättern und Knospen, Blattfall, drastischer Vitalitätsverlust; Knospen werden unverkäuflich.
Checkliste
- Blattunterseiten mit Lupe (20–60×) absuchen
- Weißes Papier unter geschüttelte Blätter halten — wandernde Punkte?
- Gespinste an Trieben und Blattachseln?
Diagnose — Abgrenzung
Stippling + Gespinst auf der Unterseite → Spinnmilben (nicht Thripse: deren Schaden ist silbrig-streifig mit schwarzen Kotpünktchen, ohne Gespinst).
Nährstoffsprenkel sind statisch und folgen oft einem Mangelmuster; Milbenschaden breitet sich aktiv aus und zeigt bewegliche Tiere.
Lupe ist Pflicht: Eier (runde, perlige Kugeln) und bewegliche Milben auf der Unterseite bestätigen die Diagnose.
Bekämpfung — gestaffeltes IPM
1. Sofort isolieren: befallene Pflanzen trennen, Hygiene verschärfen (Kleidung, Werkzeuge).
2. Klima umstellen: Spinnmilben hassen kühlere, feuchtere Luft — Temperatur senken, Luftfeuchte anheben.
3. Mechanisch reduzieren: stark befallene Blätter entfernen, abduschen/absprühen der Unterseiten.
4. Biologisch: Raubmilben (Phytoseiulus persimilis, Amblyseius) ausbringen, solange die Population noch nicht explodiert ist.
5. Wirkstoffe nur in Vegetation/Frühblüte und im Rotationsprinzip — Resistenzen entstehen schnell bei Monotherapie.
Checkliste
- Befallene Pflanzen isolieren
- Klima auf milbenfeindlich umstellen
- Raubmilben früh einsetzen
- Wirkstoffe rotieren, nie in Spätblüte
Vorbeugung
Neue Pflanzen/Stecklinge konsequent in Quarantäne (mind. 1 Woche) und mit Lupe kontrollieren.
Klima nicht dauerhaft heiß und trocken fahren; stabile Luftfeuchte erschwert die Vermehrung.
Regelmäßiges Scouting der Blattunterseiten zur Routine machen — wöchentlich, mit Lupe.
Umweltfaktoren und Wechselwirkungen
Hohe Temperatur und niedriges VPD/trockene Luft beschleunigen die Vermehrung enorm — Klimakontrolle ist die wirksamste Dauerprävention.
Stress (Trockenheit, Nährstoffmangel) macht Pflanzen attraktiver und anfälliger für Befall.
In der Blüte erhöhen abgestorbene, vermilbte Blätter zugleich das Schimmelrisiko (Botrytis).
Häufige Fehler
Erst handeln, wenn Gespinste sichtbar sind — dann ist die Population bereits explodiert.
Nur ein Mittel wiederholt einsetzen → schnelle Resistenz.
Blattoberseiten besprühen, aber die Unterseiten (wo die Milben sitzen) auslassen.
Fortgeschrittene Überlegungen
Eine vorbeugende Etablierung von Raubmilben ('Bank') in der Vegetation ist deutlich wirksamer als kurative Einsätze bei starkem Befall.
Resistenzmanagement: Wirkstoffklassen (IRAC-Gruppen) bewusst rotieren und nie zwei aufeinanderfolgende Generationen mit demselben Wirkmechanismus behandeln.
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich Spinnmilben von Thripsen?
Kann ich in der Blüte noch etwas tun?
Quellen
→ Gesamtregister- 1Öffnen ↗
Biology and Management of the Twospotted Spider Mite (Tetranychus urticae)
Annual Review of Entomology · 2013
- 2Öffnen ↗
Integrated Pest Management of Arthropod Pests on Cannabis
Insects (MDPI) · 2020
- 3Öffnen ↗
Pathogens and Molds Affecting Production and Quality of Cannabis sativa
Frontiers in Plant Science · 2019
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