Bud Rot (Botrytis) bei Cannabis erkennen und verhindern
Graue, watteartige Fäule im Knospeninneren bei welken Einzelblättchen ist das Alarmsignal. Bud Rot ist nicht heilbar — diese Klimastrategie verhindert sie, bevor sie ausbricht.
Erreger
Botrytis cinerea
Erstsymptom
Welkes Einzelblättchen in der Knospe
Risiko-RH (Blüte)
> 55–60 %
Ziel-RH Spätblüte
40–50 %
Heilbar?
Nein — nur entfernen & vorbeugen
Kernpunkte
- Botrytis cinerea startet im Inneren dichter Knospen — erstes Zeichen sind einzelne welke, vertrocknete Blättchen mitten in einer gesunden Blüte.
- Befallene Knospen sind verloren und gesundheitsgefährdend; es gibt keine Heilung, nur Entfernen und Prävention.
- Der Haupthebel ist das Klima: relative Luftfeuchte in der Spätblüte unter ~50 %, Temperaturstürze vermeiden, Luftbewegung sichern.
Hinweis
- Von Botrytis befallene Knospen niemals konsumieren — die Sporen sind gesundheitsschädlich.
- Befallene Blüten nicht im Growraum aufschneiden; das verteilt Sporen auf gesunde Pflanzen.
Definition und Einordnung
Bud Rot (Grauschimmel) wird vom Pilz Botrytis cinerea verursacht. Er befällt bevorzugt dichte, feuchte Blüten und zersetzt sie von innen.
Befallenes Material darf nicht konsumiert werden; die Sporen sind gesundheitlich bedenklich. Deshalb ist Prävention die einzige sinnvolle Strategie.
Wissenschaftlicher Hintergrund / Erregerbiologie
Botrytis ist ein nekrotropher Pilz: er tötet Gewebe und lebt vom toten Material. Sporen sind nahezu allgegenwärtig und keimen bei Feuchtigkeit auf verletztem oder geschwächtem Gewebe.
Dichte Knospen halten im Inneren Feuchtigkeit fest und bieten ein ideales Mikroklima — deshalb beginnt die Fäule im Kern, nicht außen.
Schadbild und Symptome nach Schweregrad
Stadium 1: Ein einzelnes welkes, vertrocknetes Zuckerblättchen mitten in einer sonst gesunden Knospe — das wichtigste Frühwarnzeichen.
Stadium 2: Beim Öffnen der Knospe graubraunes, watteartiges Myzel und braun-matschiges Innengewebe.
Stadium 3: Knospe zerfällt, graue Sporenmasse stäubt aus, Ausbreitung auf benachbarte Blüten.
Checkliste
- Welke Einzelblättchen in dichten Knospen suchen
- Verdächtige Knospe vorsichtig öffnen — grau/braun innen?
- Tägliche Sichtkontrolle in feuchten Phasen
Diagnose — Abgrenzung
Graues, watteartiges Myzel im Knospeninneren → Botrytis (Bud Rot).
Weißer, mehliger Belag AUF Blättern/Knospen ist dagegen Echter Mehltau, nicht Botrytis.
Ein einzelnes welkes Blättchen in einer prallen Knospe ist fast pathognomonisch für beginnende Bud Rot — sofort die Knospe prüfen.
Bekämpfung / Sofortmaßnahmen
1. Befallene Knospe großzügig entfernen (mit Rand ins gesunde Gewebe), in einen Beutel — nicht im Raum aufschneiden, um Sporen nicht zu verteilen.
2. Werkzeuge und Hände desinfizieren, um keine Sporen zu verschleppen.
3. Raumklima sofort entfeuchten und Luftbewegung erhöhen.
4. Bei starkem Befall kurz vor Ernte: ggf. früher ernten, um Restmaterial zu retten.
Checkliste
- Befallenes Material isoliert entfernen
- Werkzeuge desinfizieren
- RH senken, Luftbewegung erhöhen
Vorbeugung (der eigentliche Hebel)
Halte die relative Luftfeuchte in der Spätblüte bei 40–50 % und vermeide nächtliche Feuchtespitzen.
Sorge für gleichmäßige Luftbewegung durch das Canopy; stehende, feuchte Luft in dichten Blüten ist der Hauptrisikofaktor.
Entlaube/entdichte stark, damit Knospen abtrocknen können (Defoliation in der Blüte), und vermeide Temperaturstürze, die Kondensation erzeugen.
Checkliste
- Spätblüte-RH 40–50 % halten
- Luftbewegung im Canopy sichern
- Dichte Blütenzonen auslichten
- Temperaturstürze (Kondensation) vermeiden
Umweltfaktoren und Wechselwirkungen
Hohe Luftfeuchte (> 55–60 %) und große Tag-Nacht-Temperaturdifferenzen führen zu Kondensation an den Knospen — das Kernrisiko für Botrytis.
Dichte Sorten und Überdüngung mit Stickstoff (weiches Gewebe) erhöhen die Anfälligkeit.
Vorgeschädigtes Gewebe (Schädlingsfraß, mechanische Schäden) bietet Botrytis Eintrittspforten — IPM und Schimmelprävention hängen zusammen.
Häufige Fehler
Befallene Knospen im Raum aufschneiden und so Sporen verteilen.
RH nur tagsüber kontrollieren, aber die feuchten Nächte ignorieren.
Auf 'Heilung' hoffen — befallenes Gewebe ist verloren.
Fortgeschrittene Überlegungen
Genetik zählt: luftige, weniger dichte Phänotypen sind in feuchten Klimazonen klar im Vorteil.
Eine kontrollierte Trocknungs-/Ernteplanung bei Wetterumschwüngen (z. B. im Outdoor-Herbst) reduziert das Botrytis-Risiko erheblich.
Häufige Fragen
Kann ich eine Knospe mit Bud Rot retten?
Bei welcher Luftfeuchte wird es kritisch?
Quellen
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