Echter Mehltau bei Cannabis erkennen und bekämpfen
Weiße, mehlige Flecken auf der Blattoberseite sind das Leitsymptom. Anders als die meisten Pilze braucht Mehltau keine Nässe — diese Klima- und Hygienestrategie stoppt ihn.
Erreger
Golovinomyces ambrosiae
Leitsymptom
Weißer, mehliger Belag (abwischbar)
Sitzt auf
Blattoberseite
Braucht Nässe?
Nein, aber hohe RH
Ansteckung
Sehr hoch (Sporenflug)
Kernpunkte
- Leitsymptom sind abwischbare, weiße, mehlige Flecken auf der BlattOBERSEITE — anfangs kreisrund, später flächig.
- Echter Mehltau braucht KEINE Blattnässe, sondern hohe Luftfeuchte und schlechte Luftbewegung; er ist hoch ansteckend über Sporen.
- Bekämpfe über Klima (RH senken, Luft bewegen), strikte Hygiene/Quarantäne und frühzeitiges Entfernen befallener Blätter; keine Sprays auf erntenahe Knospen.
Hinweis
- Erntenahe Knospen nicht mit Fungiziden besprühen — Rückstände gefährden Qualität und Konsumsicherheit.
- Echter Mehltau ist hoch ansteckend; ohne Quarantäne und Hygiene befällt er schnell den ganzen Raum.
Definition und Einordnung
Echter Mehltau ist ein obligat biotropher Pilz, der auf lebendem Cannabisgewebe wächst und einen weißen, mehligen Belag bildet.
Er ist eine der häufigsten und am schnellsten verbreiteten Cannabis-Krankheiten und kann ganze Räume befallen, wenn Hygiene und Klima nicht stimmen.
Wissenschaftlicher Hintergrund / Erregerbiologie
Im Gegensatz zu den meisten Pilzen keimen Mehltausporen auch ohne freies Wasser; hohe relative Luftfeuchte genügt. Das macht ihn in vielen Setups schwer kontrollierbar.
Der Pilz entzieht lebenden Zellen Nährstoffe über Haustorien und schwächt so Photosynthese und Vitalität.
Schadbild und Symptome nach Schweregrad
Stadium 1: Einzelne kleine, kreisrunde weiße Pulverflecken auf Blattoberseiten, leicht abwischbar.
Stadium 2: Flecken verschmelzen zu flächigem weißem Belag, Blätter vergilben darunter.
Stadium 3: Befall auf Stängel und Knospen, Wachstumsstörungen, Qualitäts- und Ertragsverlust; befallene Knospen sind unverkäuflich.
Checkliste
- Weiße mehlige Flecken auf Blattoberseiten?
- Lassen sie sich abwischen?
- Breiten sie sich kreisförmig aus?
Diagnose — Abgrenzung
Weißer, mehliger, abwischbarer Belag AUF Blättern → Echter Mehltau.
Graues, watteartiges Myzel IM Knospeninneren ist dagegen Botrytis (Bud Rot), nicht Mehltau.
Weiße Sprenkel, die sich NICHT abwischen lassen und punktförmig sind, deuten eher auf Schädlingsschaden (Spinnmilben) als auf Mehltau.
Bekämpfung / Sofortmaßnahmen
1. Befallene Blätter vorsichtig entfernen (in Beutel), ohne Sporen aufzuwirbeln; Hände/Werkzeuge desinfizieren.
2. Klima sofort anpassen: relative Luftfeuchte senken, Luftbewegung und Frischluft erhöhen.
3. Pflanzen ausdünnen, damit Licht und Luft an alle Blätter kommen.
4. In der Vegetation/Frühblüte zugelassene Kontaktmittel im Rotationsprinzip; keine Sprays auf erntenahe Knospen.
Checkliste
- Befallene Blätter isoliert entfernen
- RH senken, Luft bewegen
- Bestand auslichten
- Hygiene strikt einhalten
Vorbeugung
Quarantäne für alle neuen Pflanzen/Stecklinge — Mehltau wird häufig eingeschleppt.
Relative Luftfeuchte moderat halten und für konstante Luftbewegung sorgen.
Ausreichende Pflanzabstände und Entlaubung, damit kein feuchtes Mikroklima im Bestand entsteht.
Umweltfaktoren und Wechselwirkungen
Hohe Luftfeuchte kombiniert mit stehender Luft ist der Hauptauslöser; gute Zirkulation ist die wirksamste Dauerprävention.
Dichte Bestände und große Tag-Nacht-Temperaturschwankungen begünstigen den Befall.
Mehltaugeschwächte Pflanzen sind anfälliger für Folgepathogene wie Botrytis.
Häufige Fehler
Befallene Blätter im Raum schütteln/abreißen und so Sporen verteilen.
Nur einzelne Blätter entfernen, aber Klima und Hygiene nicht ändern.
Erntenahe Knospen besprühen und damit Qualität und Konsumsicherheit gefährden.
Fortgeschrittene Überlegungen
Manche Genetiken sind deutlich mehltauresistenter; in Problemräumen lohnt die Sortenwahl mehr als jede Spritzfolge.
Da der Pilz auf lebendem Gewebe sitzt, ist konsequente Raumhygiene zwischen den Zyklen (Reinigung, Sporenentfernung) entscheidend gegen Wiederbefall.
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich Mehltau von Bud Rot?
Kann ich befallene Pflanzen noch retten?
Quellen
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