Anbau & ErnteFortgeschritten8 Min 3 QuellenAktualisiert: 2026-08-03

VPD nach Wachstumsphase steuern

Warum das VPD-Zielfenster nicht über den ganzen Zyklus konstant bleiben sollte, sondern sich mit Blattreife und Wachstumsphase verschiebt.

VPD Sämling

0.4–0.8 kPa

VPD Vegetativ

0.8–1.2 kPa

VPD Blüte

1.2–1.6 kPa

Grundlage

Blatttemperatur, nicht nur Lufttemperatur

Kernpunkte

  • Junge Sämlinge haben eine noch unterentwickelte Spaltöffnungs- und Wachsschichtkontrolle und brauchen ein niedrigeres VPD als reife Pflanzen, um Austrocknung zu vermeiden.
  • Das VPD-Zielfenster sollte über den Zyklus schrittweise ansteigen: von ≈ 0.4–0.8 kPa beim Sämling bis ≈ 1.2–1.6 kPa in der Blüte.
  • In der Spätblüte ist ein Kompromiss nötig: VPD hoch genug für Transpiration und Zuckertransport, aber nicht so hoch, dass zusätzlicher Stress entsteht — die genaue Obergrenze hängt auch vom Schimmelrisiko ab.

Hinweis

  • Ein zu niedriges VPD in Kombination mit dichter Canopy in der Spätblüte erhöht das Botrytis-Risiko messbar — Klimaführung sollte nie isoliert von der Canopy-Dichte betrachtet werden.
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Definition und Einordnung

VPD (Vapor Pressure Deficit) beschreibt die Trocknungskraft der Luft und damit den Antrieb für die Transpiration der Pflanze. Dieser Artikel behandelt, wie sich das sinnvolle VPD-Zielfenster mit der Wachstumsphase verschiebt.

Ein einziges, über den ganzen Zyklus konstantes VPD-Ziel ignoriert, dass sich die Fähigkeit der Pflanze, Transpiration zu regulieren, mit zunehmender Blattreife verändert.

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Wissenschaftlicher Hintergrund

Junge Blätter haben eine noch dünnere Kutikula (Wachsschicht) und eine weniger präzise Spaltöffnungsregulation als reife Blätter — bei hohem VPD verlieren sie dadurch überproportional viel Wasser.

Mit zunehmender Blattreife verbessert sich die Kontrolle über die Spaltöffnungen, wodurch reife Pflanzen ein höheres VPD tolerieren und für den Transport von Zuckern und Nährstoffen sogar benötigen.

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VPD-Zielwerte nach Phase

Sämling/Steckling: 0.4–0.8 kPa — niedrig halten, um Austrocknung bei noch unterentwickelter Spaltöffnungskontrolle zu vermeiden.

Vegetative Hauptphase: 0.8–1.2 kPa — moderater Transpirationsantrieb für kräftiges Blattmassewachstum.

Blütephase: 1.2–1.6 kPa — höherer Antrieb unterstützt Nährstoff- und Zuckertransport in die Knospen.

Spätblüte: am oberen Rand des Zielfensters bleiben, aber gleichzeitig die relative Luftfeuchte nicht zu weit senken, um das Schimmelrisiko in dichten Knospen nicht zusätzlich durch zu trockene, dann wieder feuchte Schwankungen zu erhöhen.

Checkliste

  • VPD-Zielwert bei jedem Phasenwechsel schrittweise anpassen, nicht abrupt springen
  • Blatttemperatur statt nur Lufttemperatur für die VPD-Berechnung verwenden
  • In der Spätblüte VPD-Obergrenze gegen Schimmelrisiko abwägen, nicht isoliert maximieren
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Diagnose bei VPD-Fehlsteuerung

VPD zu niedrig: schwache, weiche Stängel, verlangsamtes Wachstum, erhöhtes Schimmelrisiko durch stehende Feuchtigkeit in der Canopy.

VPD zu hoch: hängende Blätter trotz feuchtem Substrat, nach oben gerollte Blattränder, verbrannte Blattspitzen — ähnlich Nährstoffverbrennung, aber ohne begleitende EC-Auffälligkeit.

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Häufige Fehler

Ein einzelnes VPD-Ziel für den gesamten Zyklus verwenden, unabhängig von Sämling-, Vegetations- oder Blütephase.

VPD nur aus der Lufttemperatur berechnen, ohne die oft kühlere Blatttemperatur zu berücksichtigen — das führt zu einer systematischen Unterschätzung des tatsächlichen VPD an der Blattoberfläche.

In der Spätblüte VPD einseitig maximieren, ohne das gleichzeitig steigende Schimmelrisiko bei zu großen Feuchteschwankungen zu bedenken.

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Fortgeschrittene Überlegungen

Eine Infrarot-Blatttemperaturmessung statt reiner Lufttemperatur liefert ein präziseres, 'echtes' VPD und deckt lokale Abweichungen unter Nahlicht auf.

Manche erfahrene Grower fahren in den letzten 1–2 Tagen vor der Ernte bewusst ein leicht erhöhtes VPD, um die Trocknung anzustoßen — dieser Eingriff sollte nur mit guter Klimakontrolle erfolgen.

Häufige Fragen

Muss ich das VPD-Ziel jede Woche neu anpassen?
Nicht wöchentlich, aber bei jedem größeren Phasenwechsel (Sämling zu Vegetation, Vegetation zu Blüte, Beginn der Spätblüte) sollte das Zielfenster bewusst angepasst werden.
Was ist wichtiger: absolutes VPD-Ziel oder Stabilität?
Beides zählt, aber starke, häufige Schwankungen sind oft schädlicher als ein leicht suboptimaler, aber stabiler Wert — abrupte VPD-Sprünge wirken selbst als Stressor.
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