Trocknungsprotokoll für Cannabis nach der Ernte
Wie Temperatur, Luftfeuchte und Luftbewegung während der Trocknung zusammenspielen, um Terpene zu erhalten und mikrobiologisches Risiko gleichzeitig zu senken.
Ziel-Temperatur
18–21 °C
Ziel-Luftfeuchte
55–65 % RH
Typische Dauer
7–14 Tage
Abschlusskriterium
Snap Test: Stängel bricht
Kernpunkte
- Langsame, kontrollierte Trocknung bei 18–21 °C und 55–65 % relativer Luftfeuchte über 7–14 Tage erhält Terpene deutlich besser als schnelle, heiße Trocknung.
- Der 'Snap Test' (Stängel bricht statt sich zu biegen) ist ein zuverlässigeres Trocknungskriterium als die reine Trocknungsdauer nach Kalender.
- Direkter Luftstrom auf die Knospen beschleunigt zwar die Trocknung, treibt aber ungleichmäßig und übermäßig Terpene aus — indirekte, sanfte Luftbewegung im Raum ist vorzuziehen.
Hinweis
- Zu schnelle Trocknung durch hohe Temperatur oder niedrige Luftfeuchte kann die Oberfläche vorzeitig verschließen, während der Kern der Knospe noch mikrobiologisch riskant feucht bleibt.
Definition und Einordnung
Trocknung ist der kontrollierte Prozess, bei dem geernteten Blüten Wasser entzogen wird, bis eine für Lagerung und Curing sichere Wasseraktivität erreicht ist.
Ziel ist ein Gleichgewicht: langsam genug für Terpenerhalt und gleichmäßige Feuchteverteilung, schnell genug, um mikrobielles Risiko in der kritischen Anfangsphase gering zu halten.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Zu schnelle, heiße Trocknung führt zum vorzeitigen Verschluss der äußeren Gewebeschicht ('Case Hardening'), wodurch die Oberfläche trocken wirkt, während der Kern der Blüte noch deutlich feuchter und damit mikrobiologisch risikoreicher bleibt.
Terpene sind flüchtige, hitze- und lichtempfindliche Verbindungen — hohe Trocknungstemperaturen beschleunigen ihren Verlust deutlich stärker als eine langsame, kühle Trocknung.
Zielwerte und Protokoll
Temperatur: 18–21 °C, Luftfeuchte: 55–65 % relative Feuchte, Dauer: typischerweise 7–14 Tage, abhängig von Knospendichte und Ausgangsklima.
Raum vollständig verdunkeln — Licht beschleunigt den Terpenabbau zusätzlich zur reinen Verdunstung.
Luftbewegung sanft und indirekt im Raum halten (z. B. über einen Wandventilator, nicht direkt auf die Knospen gerichtet).
Checkliste
- Temperatur und Luftfeuchte täglich protokollieren, nicht nur bei Auffälligkeiten
- Stängeldicke der Sorte bei der Trocknungsdauer-Einschätzung berücksichtigen
- Snap Test täglich ab Tag 5–6 durchführen, um den Abschlusszeitpunkt nicht zu verpassen
Diagnose: Über- vs. Untertrocknung
Übertrocknet: Blüten wirken krümelig, Stängel brechen sofort und splittern, spürbarer Terpenverlust im Geruch.
Untertrocknet: Stängel biegen sich statt zu brechen, Blüten fühlen sich noch spürbar feucht/weich an — Curing darf hier noch nicht beginnen, sonst steigt das Schimmelrisiko in den Gläsern.
Häufige Fehler
Zu hohe Temperatur oder zu niedrige Luftfeuchte einsetzen, um die Trocknung zu beschleunigen — das erhöht das Case-Hardening-Risiko und den Terpenverlust.
Ventilatoren direkt auf die Knospen richten statt für indirekte Raumluftbewegung zu sorgen.
Nach starrem Kalenderplan statt nach dem Snap Test ins Curing übergehen.
Fortgeschrittene Überlegungen
Zweistufige Trocknung (erste Tage bei etwas höherer Luftfeuchte für langsameren Start, danach leicht absenken) kann bei sehr dichten Knospen die Gleichmäßigkeit zwischen Außen- und Kernfeuchte verbessern.
Der Übergang zum Curing (kontrolliertes Nachreifen in verschlossenen Behältern mit periodischem Lüften) sollte nahtlos an den erfolgreichen Snap Test anschließen, um die gerade erreichte, günstige Feuchteverteilung nicht wieder zu verlieren.
Häufige Fragen
Wie lange sollte die Trocknung genau dauern?
Darf ich einen Ventilator direkt auf die Knospen richten, um schneller zu trocknen?
Quellen
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